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Du gehörst zu uns, das ist doch klar

Du gehörst zu uns, das ist doch klar

Es war voll, es war laut, und es war ein richtig guter Tag.

104 Kinder saßen am Donnerstag in der ersten Reihe auf unserem großen Wiesengelände: glitzernde Schultüten auf dem Schoß, Schulranzen, die noch ein bisschen zu groß sind, und Gesichter irgendwo zwischen „Endlich!" und „Was passiert hier eigentlich?". Dahinter Eltern, Großeltern, Geschwister und eine Wand aus Handys im Hochformat. Unter uns gesagt: Die Nervosität war bei den Erwachsenen deutlich besser zu erkennen als bei den Kindern.

Eröffnet haben die Kinder der Klassen 2a und 2b — mit unserem Schulsong. Es gibt Lieder, die man überall hört, und es gibt dieses eine: „Zusammen leben, zusammen lernen." Das gibt es nur bei uns. Und die Zweitklässler haben es so gesungen, wie man ein Lied singt, das einem gehört.

Danach kam die Klasse 3c und hat den Kindern vom Schulalltag berichtet. Wer wirklich wissen will, wie es hier zugeht, fragt am besten Kinder, die den Schulalltag schon zwei Jahre kennen.

Dann gab es viel zu tragen. Der Förderverein hatte für jedes Kind ein Schul-T-Shirt und ein Hausaufgabenheft mitgebracht — das T-Shirt sorgte für großen Jubel, das Hausaufgabenheft für einen kurzen Moment der Nachdenklichkeit. Vom Bürgerverein Niederkassel kam für jedes Kind ein Grundschriftheft, das erste eigene Heft zum Schreibenlernen.

Herzlichen Dank an den Förderverein und den Bürgerverein — und an alle, die in beiden Vereinen ihre Freizeit in diese Schule stecken. Vieles, was bei uns selbstverständlich aussieht, ist es nicht.

Anschließend hat sich das ganze Team vorgestellt: Lehrerinnen und Lehrer, das Team der Offenen Ganztagsschule, Sekretariat, Hausmeister. Mit dem einen Satz, der für alle gilt und den sich jedes Kind merken soll: Wenn du etwas brauchst, sprich uns an.

Zum Schluss wurde es bei aller Freude ein wenig ernster und nachdenklicher. Weil es uns wichtig ist — und weil es nicht nur für diesen einen Jahrgang gilt — dokumentieren wir die Ansprache von Schulleiter Florian Emrich-Förster hier in Auszügen:

Wir haben vorhin ein Lied gehört, das klingt nach Kinderreim: Zusammen leben, zusammen lernen. Nett. Freundlich. Steht auf jedem zweiten Schullogo in Deutschland.

Ich möchte Ihnen sagen, warum das für mich ein sehr gewichtiger Satz in unserem ganzen Schulprogramm ist.

Hier bei uns stehen gerade Familien mit mindestens zehn verschiedenen Herkunftssprachen. Familien mit ganz unterschiedlichen Geschichten, unterschiedlichen Möglichkeiten, unterschiedlichen Vorstellungen davon, wie man ein Kind erzieht. Ihre Kinder sitzen ab heute nebeneinander an einem Tisch.

Wir haben vier Jahre Zeit. In diesen vier Jahren bringen wir Ihren Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen bei — das steht im Lehrplan, das können wir, das machen wir gut.

Aber daneben bringen wir Ihren Kindern noch etwas anderes bei. Etwas, das viel schwerer ist — und ungemein wichtig:

Zuhören, wenn ein anderer redet. Streiten, ohne den anderen fertigzumachen. Eine Abstimmung verlieren — und trotzdem dazugehören und das Ergebnis mittragen. Aushalten, dass jemand anders ist als ich, und trotzdem mit ihm zurechtkommen.

Das klingt harmlos. Aber das ist es nicht. Das ist die Grundausstattung für eine Demokratie. Und wir üben das hier jeden Tag: im Klassenrat, in der Klassensprecherkonferenz, auf dem Schulhof, beim Streit um den Fußballplatz.

Ich sage das in diesen Zeiten sehr deutlich. Wenn Sie sich umschauen — in den Nachrichten, im Internet, manchmal auch am Gartenzaun —, dann wird gerade sehr laut und sehr erfolgreich das Gegenteil geübt. Abgrenzen. Draufhauen. Recht haben, statt zuzuhören. Der Ton wird härter, und er wird schneller härter, als vielen von uns lieb ist.

Deshalb ist der wichtigste Satz in unserem Schulsong für mich nicht der Refrain. Es ist eine Zeile aus der dritten Strophe:

„Und brauchst du Hilfe, bin ich für dich da — denn du gehörst zu uns, das ist doch klar."

Das ist ein Versprechen. Und es gilt hier für jedes Kind. Ohne Ausnahme, ohne Bedingung, egal woher es kommt, was es kann und was es noch nicht kann.

Das schaffen wir aber nicht allein. Und deshalb eine Bitte an Sie:

Ihre Kinder hören zu. Immer. Auch wenn Sie denken, sie hören nicht zu. Wie Sie über die anderen Familien reden, wie Sie über ein Kind reden, dem manches noch schwerfällt, wie Sie über uns Lehrerinnen und Lehrer reden, wenn etwas schiefgelaufen ist — das lernen Ihre Kinder schneller als das kleine Einmaleins.

Ich lade Sie ein: Kommen Sie zu uns, wenn Sie etwas ärgert. Reden Sie mit uns, nicht über uns. Und geben Sie den anderen Familien in dieser Klasse eine Chance, bevor Sie sich ein Urteil bilden. Vier Jahre sind lang genug, um aus 25 fremden Familien eine Gemeinschaft zu machen. Ich habe hier oft genug erleben dürfen, dass uns dies gelingt.

Erst vergangene Woche habe ich kurzfristig um Hilfe beim Umzug gebeten. Innerhalb kürzester Zeit hatten sich 30 Eltern gemeldet. Nach einer halben Stunde waren alle Kartons getragen. Das ist Gemeinschaft.

Ihre Kinder gehen jetzt gleich zum ersten Mal in ihren Klassenraum. Sie sind aufgeregt, sie sind stolz, und einige haben ein bisschen Angst.

Sie sind bei uns gut aufgehoben.

Herzlich willkommen an der GGS Niederkassel. Auf vier gute Jahre — zusammen.

Letzte Änderung am 03.09.2026